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Klassische Osteopathie

Dr. Andrew Taylor Still entwickelte die Osteopathie in den USA des 19. Jahrhunderts. Still praktizierte als Landarzt und legte für seine Hausbesuche teils weite Strecken im amerikanischen Grenzland zurück. Vor allem Infektionskrankheiten stellten ein großes Problem der damaligen Zeit dar und viele Menschen  insbesondere Kinder  fielen ihnen zum Opfer. So starben im Jahr 1864 auch drei von Dr. Stills eigenen Kindern an epidemischer Meningitis, ein weiteres an Pneumonie. Die seinerzeit etablierten medizinischen Verfahren waren oft wirkungslos und schädlich: Aderlässe, quecksilberhaltige Arzneien, Whiskey zur Schmerzbekämpfung waren übliche Mittel. Still schloss seine Praxis infolge der Tragödie und durchlebte eine Zeit der Klausur. Seine intensiven anatomischen Studien führten zusammen mit klinischen Beobachtungen zur Idee eines neuen Systems der Heilkunde, das wesentlich auf der Wiederherstellung von Struktur-Funktions-Beziehungen der knöchernen Anatomie basierte – dies jedoch stets im Hinblick auf ihre internistischen und neurologischen Wirkungen.

Nikolai Menzel B.Sc., M.A. (Osteopath & Philosoph) studiert in seiner Praxis in Lüneburg knöcherne Anatomie.

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A. T. Still Museum

Osteopathie war von Anfang an als Zugang zur allgemeinen Gesundheit konzipiert und keine spezialisierte Methode zur Behandlung orthopädischer Probleme. Stills praktische Erfolge, insbesondere im Zusammenhang mit Fieber und Infektionen, sprachen offenbar für sich und der philanthrope und tiefgläubige Dr. Still, der bereits auf Seiten der Nordstaaten im amerikanischen Bürgerkrieg gegen die Sklaverei gekämpft hatte, gründete eine Osteopathie-Schule und später ein Krankenhaus mit 75 Betten, modernem Operationssaal und Entbindungsstation. Es wurde in allen Abteilungen osteopathisch praktiziert – das heißt: tastend und mittels Handgriffen untersucht und behandelt – Medikamente kamen kaum zum Einsatz. Chirurgische Maßnahmen, wo unvermeidlich, erforderten ebenfalls manuelles Geschick im Umgang mit der Anatomie und wurden als integrativer Teil des osteopathischen Systems verstanden. Vor allem Stills Schüler Dr. John Martin Littlejohn – ein britischer Arzt und Gelehrter – ist es zu verdanken, die Grundlagen der Osteopathie, wie sie von Dr. Still eher im Stil philosophischer Überlegungen dargelegt wurden, systematisch und in wissenschaftlicher Sprache ausgearbeitet zu haben. Das physiologiezentrierte Modell der Osteopathie, das – im Gegensatz zum pathologiezentrierten Denken der orthodoxen Medizin – Krankheit nicht eigentlich zu bekämpfen, sondern Gesundheit zu erweitern sucht, trat durch Littlejohns Arbeit deutlich hervor und förderte Forschung und Entwicklung in den USA und Europa. Damals wie heute wird Osteopathie vor allem mit den Händen, als berührende Medizin, ausgeführt.

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