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Sprechzimmer der osteopathischen und philosophischen Praxis von Nikolai Menzel B.Sc., M.A. (Osteopath & Philosoph) in Lüneburg

Philosophische Praxis

Die erste Philosophische Praxis wurde 1981 von Dr. Gerd B. Achenbach gegründet. Ihre Idee knüpft an eine lange Tradition philosophischer Strömungen an, die von der antiken Lebenskunst (spätestens seit Sokrates ist Philosophie mit der Frage nach dem guten Leben verbunden) bis zu den neuzeitlichen Formen philosophischer Diätetik reicht. Im Historischen Wörterbuch der Philosophie ist Philosophische Praxis beschrieben als »professionell betriebene philosophische Lebensberatung, die in der Praxis eines Philosophen geschieht [...]. Sie verordnet keine Philosopheme, verabreicht keine philosophische Einsicht, sondern sie setzt das Denken in Bewegung: philosophiert« (O. Marquard). Dabei schöpft sie aus jenen Denktraditionen und Geschichten, die von den Schwierigkeiten menschlicher Existenz zu berichten wissen. Als philosophische Disziplin verarbeitet sie kulturgeschichtliche, psychologische und theologische Blickwinkel. Der Ausgangspunkt Philosophischer Praxis ist stets das Verstehenwollen und das Bedürfnis, der Widerfahrnis des Lebens Ausdruck zu geben, rechte Sprache zu finden und schließlich: sich selbst im Denken zu überprüfen. Nicht lösungsorientiertes, sondern erkundendes, sich Übersicht verschaffendes Denken zeichnet die Philosophische Praxis aus.

Philosophische Praxis in der Praxis

Philosophische Praxis mag verstanden werden als eine Form der Zuwendung, die besondere Aufmerksamkeit für den Menschen als Menschen aufbringt. Sie ist skeptisch gegenüber einem naturwissenschaftlichen Reduktionismus, der den Menschen apparathaft, mindestens funktionalistisch, begreift (auch gewisse, arg medizinalisierte Strömungen der Osteopathie neigen dazu). Ebenso verhält sie sich gegenüber psychotherapeutischen Verallgemeinerungen, die unzählige seelische Verfasstheiten in wenige psychodiagnostische Klassen sortieren. Philosophische Praxis nähert sich dem Menschen im Hinblick auf seine Geistigkeit, womit ausdrücklich seine Fähigkeit zur Bewusstheit und Begriffsbildung gemeint ist – jenen kulturkonstituierenden Kräften, die uns zu geschichtlichen Wesen machen. So bemüht sich Philosophische Praxis, gerade diesen Menschen, genau jenen, der die Praxis besucht, als den zu verstehen, der er ist (und nicht als „Fall“ oder „Typus“ einer diagnostischen Kategorie). Leiden, Krisen, Sorgen und Nöte, ob medizinischer, seelischer oder politischer Art, sind Teil von Geschichten, die erzählt und gedeutet werden dürfen. Sie besitzen nicht nur biografischen, sondern auch zeitgeschichtlichen Rang, insofern sie in ihrer Zeit begriffen – mit den Begriffen ihrer Zeit aufgefasst – werden. Die Konstellationen und Verstrickungen zwischen eigener und gemeinsamer Geschichte, individuellem und kollektivem Geist und, nicht zuletzt, zwischen dem Bestimmtsein durch sich selbst und durch die „höheren Mächte“ – nennen wir sie nun natürlich oder göttlich – hilft Philosophische Praxis aufzuklären. So ist sie keine profane Beschäftigung mit Befindlichkeiten, sondern der ernstgemeinte Versuch, gemeinsam zu verstehen, was es auf sich hat – auf sich haben könnte – mit der Erfahrung, dieser Mensch auf dieser Welt, hier und am Leben zu sein.

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G-PP e.V.
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